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Ricardo Bosque: Selbstmord auf Bestellung PDF Drucken
Sonntag, 19 Juli 2009

Ricardo Bosque: Suicidio a crédito

(Selbstmord auf Bestellung)

Zaragoza: Mira Editores, 2009, 123 Seiten, 13,-- Euro

Traduction: Katrin Mrugalla

ImageSuicidio a crédito ist der Titel des neuen Romans von Ricardo Bosque. Es ist die zweite novela negra mit der Heldin Tana Marqués; die erste war Manda flores a mi entierro (Schick zu meinem Begräbnis Blumen). Wenn man von Suicidio a crédito spricht, muss man vor allem von Tana Marqués sprechen. Es sind insbesondere ihr Mut, ihre Ungezwungenheit und ihre Art, die Dinge beim Namen zu nennen in dieser unserer Welt der Euphemismen und Halbwahrheiten, die diesen Roman so lesenswert machen. Floristin von Beruf, praktiziert sie nebenbei aus Überzeugung „äußerst aktive Sterbehilfe“. Was nichts anderes bedeutet, als dass Tana diejenige ist, die – je nach Umständen – zu Taschenmesser oder Pistole greift, Gift verabreicht oder den entscheidenden Stoß vom Balkon gibt, und zwar all jenen, die selbst nicht den Mut aufbringen und ein paar Tausend Euro hinblättern können. Und das tut sie ohne Skrupel oder Doppelmoral, ganz unverkrampft, so, wie jemand sich ein Kleid anzieht oder den Reis an die Paella tut.

In Suicidio a crédito findet sich Tana plötzlich in einer unmöglichen Situation wieder, die sie irgendwie entwirren muss: Sie soll angeheuert werden, um Martín Santos zu „selbstmorden“, einen Schauspieler, der schon ziemlich alt und gebrechlich ist. Zusammen mit zwei Hilfskräften, die nicht viel zum Lauf der Handlung beizutragen scheinen, wohl aber zu ihrer Farbigkeit, gerät Tana in die gnadenlose Welt der Regenbogenpresse: Parodien von Persönlichkeiten, die eindeutig zu identifizieren sind, Möchtegernberühmtheiten, die für ein paar Minuten auf Sendung alles tun würden, aasfressende Redakteure, die nichts Besseres zu tun haben, als das Fell des gerade erlegten Bären genauso schnell zu verteilen, wie sie die „Berühmtheit der Woche“ aufbauen, um sie wenige Tage später gnadenlos in den Abgrund zu stürzen. Eine Welt der Niedertracht, zwischen Boulevardsendungen und Reality-Shows, die, wie wir feststellen müssen, Tana bei ihren Nachforschungen begleiten. Dazu kommen einige turbulente verwandtschaftliche Beziehungen, und zwar von Martín Santos’ Seite, die dem Roman zu einem überraschenden Ende verhelfen.

Das Personal in Ricardo Bosques Roman ist einmalig, außergewöhnlich und unbestreitbar reizvoll. Eine mutige Frau, die weder sich selbst noch andere belügt, und die ihre Einnahmen mit etwas aufbessert, das ihrem Verständnis nach nichts Verwerfliches hat. Unterhaltsam, dreist, gewitzt – so ist Tana Marqués und so ist Suicidio a crédito.

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 19 Januar 2010 )
 
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