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Alicia Gimnez-Bartlett: Samariter ohne Herz PDF Drucken
Dienstag, 04 August 2009

Samariter ohne Herz (Un bateau plein de riz)

Alicia GIMENEZ-BARTLETT

Lübbe Verlag, 411 S., 8.95 €

Übersetzung: Kerstin Schoof

Un bateau plein de rizEinen mysteriösen Titel trägt die neueste, sechste Ermittlung der Kriminalinspektorin Petra Delicado in Barcelona. Wie immer arbeitet sie mit ihrem unzertrennlichen Partner Firmin Garzon zusammen, mit dem sie eine außergewöhnliche Beziehung verbindet : «Garzon an meiner Seite, das war wie ein Ehemann, ein Vater, Großvater, aber auch wie ein Kleinkind. Man musste wie auf Eiern laufen, um mit dieser Art Verwandtschaft umzugehen.»

Eines Morgens wird die Leiche eines Obdachlosen in einem Park entdeckt Er scheint zu Tode geprügelt worden zu sein. Sofort werden die Skinheads, die im angrenzenden Seegebiet herumlungern, verdächtigt. Das kommt allen gelegen: der Presse, den Bürgern und dem jähzornigen Kommissar Corona. Aber nicht unserer lieben Petra. Ihr geht dieses einsame Ende, das Elend und die Gleichgültigkeit, die den Fall umgeben, nahe. Sie hat einen Verdacht. Die Entdeckung einer zweiten Leiche bestätigt ihre Intuition. Und ihren schwierigen Charakter.

Denn Petra ist eine Frau von furchterregender Klarheit und einer etwas kitzligen Empfindsamkeit. Nach zwei gescheiterten Ehen lebt sie nun allein, und die Einsamkeit kommt ihr entgegen. «Die Liebe ist synonym mit dem Leben als Paar, das darin besteht, den Kühlschrank und schlechte Laune zu teilen». Aber ihre kleine Welt, der Mikrokosmos des Kommissariats, wird durch die hübsche Yolanda bereichert, eine junge Polizistin mit subtilem Charme. Und dann ist da noch Ricard, ein etwas chaotischer Psychologe, der sie nicht kalt lässt. Männer, so gesteht sie sich ein, sind eben «die faszinierendsten Geschöpfe der Welt, nach den Kolibris». Hat sie das Verlangen, sich zu verlieben, oder nicht? Sie lässt sich fallen und versucht zugleich, ihre Zurückhaltung zu wahren. «An dem Tag, an dem ich eifersüchtig auf dich bin, Ricard, lasse ich mir lieber die Haut bei lebendigem Leibe abziehen, als meine Eifersucht zuzugeben». Aber ihre Liebe zu Ricard ist schön und stark, und der Leser kommt in den Genuss heißer Erotikszenen und dem Glück, das ihnen folgt: „dieses fantastische, närrische Spiel, dass man Sex nennt, ein Stinkefinger gegen Melancholie und Tod“.

Eine komische Szene folgt der nächsten. Das Abendessen mit Firmins Sohn, beispielsweise, ist bezaubernd. Unvorstellbar für einen spanischen Vater, Polizist und übertriebener  Macho,  dass sein Sohn einen Ohrring trägt und einen Mann auf den Mund küsst! Solche Szenen erinnern natürlich an Woody  Allen. Ebenso eine Reflexion Petras, nachdem sie einen Fehler gemacht hat: «Na also, ich habe alle möglichen und denkbaren Dummheiten gemacht: Beleidigung eines alten Bekloppten aus schlechter Laune, Sentimentalitäten wegen eines Typen, den ich kaum kenne, und unterlassene Hilfeleistung gegenüber einem Kollegen, der in persönlichen Problemen steckt. Das war super! Was hätte noch gefehlt? Einem Hund einen Fußtritt geben, einer armen Alten ein Bein stellen, oder ein Baby anspucken?» Hellsichtigkeit, immer und überall. Selbst dann, wenn es sich um Gewalt handelt. «Das war gut, ihn zu verprügeln», gibt sie zu, nachdem sie einen Verdächtigen ziemlich brutal geschlagen hat.

Sittenkomödie und harte Sozialkritik – mit Samariter ohne Herz liefert Alicia Giménez-Bartlett, vermittelt durch ihre Protagonistin Petra Delicado, eine ätzende und klarsichtige Sichtweise auf das Leben und die Zeitgenossen. Ihr bester Roman!

Letzte Aktualisierung ( Montag, 18 Januar 2010 )
 
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